11. Apherese-Therapie-Seminar in Berlin

 

Freitag, 2. Dezember 2011
Grand Hotel Esplanade
Lützowufer 15
10785 Berlin (Tiergarten)

 


11. Apherese-Therapie-Seminar

Apherese 2011: Aktuelle wissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen mit 300 Nephrologen in Berlin diskutiert

Berlin – Einen Besucherrekord verzeichnete in diesem Jahr das Apherese-Therapie-Seminar, zu dem am 2. Dezember das AphereseForschungsinstitut Köln bereits zum elften Mal eingeladen hatte. Über 300 Ärzte und Nephrologen aus ganz Deutschland diskutierten im Grand-Hotel Esplanade aktuelle Ergebnisse und Entwicklungen aus der klinischen Forschung und Praxis der Therapeutischen Apherese. Den Vorsitz hatten Prof.Dr. Jan Galle (Klinikum Lüdenscheid) und Prof. Dr. Reinhard Klingel (Apherese ForschungsInstitut Köln).

Den Auftakt bildeten in diesem Jahr gesundheitspolitisch-ökonomische Aspekte mit den Auswirkungen des GKV-Modernisierungsgesetztes für die Therapeutische Apherese. Prof. Dr. Andreas Kribben ( Universitätsklinikum Essen) beleuchtete die aktuelle Entwicklung bei DRGs und Zusatzentgelten im G-DRG-System. Seit Einführung des G-DRG-Systems 2003 werden die krankenhausindividuell zu verhandelnden Zusatzentgelte zunehmend durch bundeseinheitliche Vergütungen ersetzt. Eine aktive Strategie der Kalkulations-Kranken­häuser ist wichtig, um eine kostendeckende Berechnung für die Zusatzentgelte der therapeutischen Apherese zu implementieren, damit hoch spezialisierte nephrologische Dienstleistungen auch in Zukunft patientengerecht und wirtschaftlich angeboten werden können.

Die Therapeutische Apherese als Therapieoption bei Vaskulitiden und Systemerkrankungen rückt in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Fokus. Prof. Dr. Andreas Schwarting ( Universitätsklinikum Mainz / Sana-Rheumazentrum Bad Kreuznach) stellte anhand von Kasuistiken Therapiekonzepte unter Einbeziehung der Immunadsorption oder des Plasmaaustauschs bei systemischem Lupus Erythematodes (SLE), Vaskulitiden und rheumatoider Arthritis vor. Insbesondere sind die ANCA-assoziierten Vaskulitiden zu nennen. Hier wird mit Spannung das Ergebnis der internationalen PEXIVAS-Studie erwartet. In der randomisierten kontrollierten Studie wird die Wirksamkeit von Plasmaaustausch und Glukokortikoiden bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden getestet.

Durch den Nachweis von Autoantikörpern, die an zellmembranständige oder synaptische Antigene des zentralen Nervensystems binden, konnten Autoanti­körper-assoziierte Enzephalitiden als neue Krankheits­gruppe definiert werden. PD Dr. Tim Magnus (Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg) stellte einen neuen kausalen Therapieansatz mit Einsatz von Plasmaaustausch oder Immunadsorption statt der bisherigen rein symptomatischen Behandlung vor. Die Antikörper-assoziierten autoimmunen Enzephalopathien mit Oberflächenantigenen, die seltener mit Tumoren assoziiert sind, sprechen im Gegensatz zu den immunvermittelten Enzephalopathien, die mit intrazellulären Antigenen assoziiert sind, wie die klassischen paraneoplastischen Erkrankungen, besser auf eine Immuntherapie an. Im Rahmen einer multimodalen Intervention werden die gleichen Substanzen verwendet, wie sie auch bei anderen Antikörper- und immunvermittelten Erkrankungen zum Einsatz kommen: Kortikosteroide, um rasch die Immunantwort zu unterdrücken, die Plasmapherese zur raschen Entfernung der Antikörper aus der Zirkulation und i.v. Immunglobuline zu einer antientzündlichen Immunmodulation. Als weitere Eskalation der Therapie in schweren Verlaufsformen ist ein positiver Effekt von Rituximab berichtet worden

Nierenversagen ist eine häufige schwerwiegende Komplikation beim Multiplen Myelom, hervorgerufen durch freie Leichtketten in Form der Cast-Nephropathie. Die adjuvante extrakorporale Leichtketten-Elimination mittels High-Cut-Off-Technologie ist ein viel versprechender Therapieansatz, um die Prognose dieser Patienten zu verbessern . Dr. Nils Heyne (Universitätsklinikum Freiburg) berichtete über die neue Therapieoption, mit der die Exposition der Nieren toxischen Leichtketten gegenüber durch extrakorporale Elimination freier Leichtketten weiter reduziert werden kann. Die Verwendung von High-cut-off-(HCO)-Filtern ermöglicht eine effektive Elimination freier Leichtketten. Experimentelle und klinische Untersuchungen zeigen eine gegenüber der Plasmapherese höhere Effektivität der HCO-Dialyse. Unter effektiver Chemotherapie und begleitender HCO-Dialyse ist in Fallserien bei Multiplem Myelom und dialysepflichtiger akuter Nierenschädigung in einem hohen Anteil eine Erholung der Nierenfunktion beschrieben. Für den Erfolg entscheidend sind ein frühzeitiger Therapiebeginn und ein rascher Abfall der Leichtkettenkonzentration

Die kombinierte systemische und extrakorporale Therapie bei Multiplem Myelom und Cast Nephropathie ist Gegenstand einer laufenden, prospektiv randomisierten Europäischen Multicenterstudie (EuLITE).

Die EHEC-Endemie in diesem Jahr war eine klinische, organisatorische und wissenschaftliche Herausforderung für die deutsche Nephrologie. Etwa 40% der an dem äußerst aggressiven Erreger EHEC O104:H4 Erkrankten entwickelten das lebensbedrohliche hämo­lytisch-urämische Syndrom. Über die gesammelten Erfahrungen beim unterstützenden Einsatz des Plasmaaustauschs berichtete PD Dr. Jan T. Kielstein (Medizinische Hochschule Hannover). Der Einsatz des Plasmaaustauschs basiert bei dieser Indikation auf einer Arbeit von Dundas et al. (Lancet 1999; 354:1327-1330). Die Mortalität und der Anteil der Patienten mit dauerhafter Dialysepflichtigkeit waren jedoch bei dieser EHEC-Endemie, nicht zuletzt auch aufgrund des guten Krisenmanagements der Nephrologie, geringer. Erfahrungen mit dem Einsatz der Immunadsorption wurden an der Universitätsklinik Greifswald gesammelt, motiviert durch Verläufe mit besonders schwerer neurologischer Symptomatik.

Das Apherese-Therapie-Seminar 2011 bot erneut interessante und höchst aktuelle Themen aus dem Bereich der therapeutischen Apherese und deren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Für die Nephrologen wichtige gesundheitsökonomische und –politische Aspekte stehen dabei immer mehr im Vordergrund. Wir erwarten gespannt das 12. Apherese-Therapie-Seminar in Berlin am 7. Dezember 2012, um die Diskussion über aktuelle Entwicklungen in der therapeutischen Apherese mit Ihnen fortzusetzen.

Literatur

pdf Plasma exchange in the treatment of Wegener’s granulomatosis, microscopic polyangiitis, Churg–Strauss syndrome and renal limited vasculitis
A. Casian and D. Jayne. Current Opinion in Rheumatology 2011, 23: 12–17.
pdf Autoimmune synaptische Enzephalopathien
M.A. Friese und T. Magnus. Der Nervenarzt 2011; 82(10): 1239-49.
pdf Study protocol: European trial of free light chain removal by extended haemodialysis in cast nephropathy (EuLITE): A randomised control trial
C.A. Hutchison, M. Cook, N. Heyne, K. Weisel, L. Billingham, A. Bradwell and P. Cockwell. Trials 2008, 9: 55.
pdf Häufung des hämolytisch urämischen Syndroms durch Shiga-Toxin produzierende E. coli 2011: Eine klinische, organisatorische und wissenschaftliche Bewährungsprobe für die Deutsche Nephrologie, Teil 1
J.T. Kielstein, M. Schiffer, U. Panzer. Nephro-News 2011; 13(2): 1-5.

 


11. Apherese-Therapie-Seminar in Berlin

Programm

8.15 – 9.15 Uhr Kaffee-Empfang und Registrierung

9.15 - 11.30 Uhr Apherese-Therapie-Seminar

Vorsitz
Prof. Dr. med. Jan Galle
Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren, Klinikum Lüdenscheid

Prof. Dr. med. Reinhard Klingel
Apherese ForschungsInstitut, Köln

Zusatzentgelte der extrakorporalen Verfahren – aktuelle Entwicklungen
Prof. Dr. med. Andreas Kribben
Klinik für Nephrologie, Universitätsklinikum Essen

Therapeutische Apherese bei Vaskulitiden und Systemerkrankungen
Prof. Dr. med. Andreas Schwarting
Sana Rheumazentrum Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach und I. Medizinische Klinik, Universitätsmedizin Mainz

Autoantikörper-assoziierte Enzephalitiden
Priv.-Doz. Dr. med. Tim Magnus
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Extrakorporale Leichtketten-Elimination bei Multiplem Myelom
Dr. med. Nils Heyne
Medizinische Klinik IV - Nephrologie, Universitätsklinikum Tübingen

Headline 2011 – Plasmaaustausch bei EHEC-HUS
Priv-Doz. Dr . med. Jan T. Kielstein
Abt. Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Medizinische Hochschule Hannover

ab 11.30 Uhr Lunch-Buffet

 

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Rückblick

pdf Therapeutische Apherese 2010: Themen des 10. Apherese-Therapie-Seminars am 3. Dezember 2010 in Berlin
Heibges A, Galldiks N, Pütz G , Pape L, Berthold HK, Ramlow W, Klingel R. Nieren- und Hochdruckkrankheiten 40, 5: 209-216.

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